The Green Tiny House

Schwarz zu Blau

[ IMMER DAS GELD ]
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Berlin ist meine Stadt. Ich liebe sie. Schon Peter Fox hat Berlin in seinen Texten besungen und ihre Gegensätzlichkeiten in Songs gegossen. Wenn ich im dunklen Grau früh morgens durch Friedrichshain an der Warschauer Strasse husche und versuche, dem Gedränge zu entkommen und den Kackhaufen auszuweichen, klingen seine Lyriks in meinem Ohr und ich nicke zustimmend seiner Stimme zu. Es nieselt, mich fröstelt es und ich stöhne über die Kaffeepreise, die mit 4 Euro weit über dem liegen, was einmal ein guter Preis war. “Guten Morgen Berlin – Du kannst so häßlich sein …”

Dieses allgegenwärtige Lebengefühl spült immer wieder Neuankömmlinge in die Strassen, die sich angefixt vom Vibe ins Berliner Leben stürzen. Die StartUpperInnen dieser Stadt, die InfluencerInnen und Hippster lungern in Cafes und Clubs herum und arbeiten an ihren Projekten während sie mit Barjobs, als KassiererInnen bei Rewe oder Fahrradkuriere für Lieferando versuchen, den monatlichen Unterhalt zusammenzukratzen. Der Kaffee ist halt teuer geworden. Zwischen all den Aromen dieser Stadt wabert zugleich der Duft der Hoffnung, alles tun und sein zu können, Ideen zu Gold werden zu lassen und schon Morgen der aufgehende Stern zu sein, der mit seiner Idee einen Hit gelandet hat. Unzählige GründerInnen Stories, die in “Fuck up Nights” zum Besten gegeben werden während man sich mit einem Sterni vor Lachen auf die Schenkel klopft. “Diese Stadt ist eben doch gar nicht so hart, wie du denkst.”

Ich habe bei einem kleinen Bäcker unweit der Wahrschauer Strasse das irre Kaffeangebot für 1,80 Euro entdeckt und hole mir einen großen Becher. Es gibt sogar Kaffetassen. Während ich an meinem Kaffee schlürfe und mich aufwärme, grüble ich sorgenvoll über das eigene Projekt nach. Es ist wieder Mal das Geld.

In unzähligen intensiven Gesprächen mit nachhaltigen GründerInnen kann ich mich in ihren Erzählungen spiegeln, denn es sind immer wieder die gleichen Schwierigkeiten, mit denen man sich umherschlagen muss. So unglaublich viele gute nachhaltige Ideen, deren InitiatorInnen am Virus “Geldmangel” leiden und nicht wirklich wissen, mit welcher Medizin sie dieses Defizit heilen können. Es ist nicht mal so, dass es an Engagement mangeln würde, denn die unzähligen nachhaltigen Events und eigenen kleinen Veranstaltungen zeugen vom Willen und Disziplin. Es ist vielmehr diese schwierige wirtschaftliche neoliberale Konstellation, die es jungen ideenreichen StartUpperInnen schwer macht, sich durchzusetzen und Geld einzutreiben.

Der Kaffee ist halb ausgetrunken und ich bemerke, dass der Fokus oft darauf liegt, lediglich das Geld für die Gründung zusammenzubekommen. Was ist mit dem eigenen Unterhalt in dieser Zeit? Denn auch wenn das StartUp sexy und die Idee nachhaltig ist: es dauert 3 bis 5 Jahre bis man als GründerIn mit Einnahmen rechnen kann, die die monatlichen Ausgaben zumindest decken. So tut sich eine Lücke auf zwischen dem, was irgendwann sein wird und dem, was gerade ist. Mind the gap between platform and train!

Ich frage mich, wieviele aufgeben, weil sie es nicht schaffen, jahrelang ein StartUp aufzubauen und gleichzeitig nebenher für den eigenen Unterhalt mit ätzenden anstrengenden Jobs aufkommen zu müssen. Wenn das StartUp an den neoliberalen Verhaltensweisen der Gesellschaft scheitert und nicht durch das mangelnde Können oder fehlenden Ideen der GründerInnen. Viele würden gern neue und vor allem nachhaltige Wege gehen, stoßen jedoch schnell auf das Problem, unmittelbar Erträge für den eigenen Unterhalt erwirtschaften zu müssen, um sich ganz dem Projekt widmen zu können. Denn das braucht es, wenn es wachsen soll. Und da war es wieder, dieses graue Berlin.

Ich betrachte die vorbeiströmende Menschenmasse und frage mich, ob dieses Problem überwunden werden kann. Ob es da draußen Hoffnung gibt, die nicht sterben wird sondern irgendwann das Grau plattwalzt. Vielleicht wird es irgendwann eine Idee geben, die alles verändert und alles neu macht. Eine Idee, die alte Denklogiken umstürzen und das Überleben toller nachhaltiger Projekte sichern wird. Plötzlich spüre ich dieses Kribbbeln im Bauch, diese innere Unruhe, diesen Antrieb. Ich muss nach Hause – nachdenken, diese Idee festhalten, die alles verändern wird. Solche Augenblicke sind die Geburtsstunden verrückter Gedanken. Aus dem Grau werden Innovationen geboren. Ich muss grinsen, denn “ich weiß, ob ich will oder nicht – dass ich dich zum Atmen brauch.”



Berlin is my city. I love Berlin. Peter Fox has already sought Berlin in his lyrics and poured her contrasts into songs. When I scurry through Friedrichshain to Warschauer Strasse in the dark grey early in the morning and try to escape the crowd and avoid the pile of poop, sound his lyrics in my ear and I nod in agreement to his voice. It drizzles, I shiver and I groan about the coffee prices, which at 4 euros are far above what was once a good price. “Good morning Berlin – you can be so ugly…”

This omnipresent attitude of life repeatedly washes newcomers into the streets, who are attracted by the vibe of Berlin life. The StartUppers of this city, the influencers and hippsters hang around in cafes and clubs and work on their projects while they try to scrape together the monthly rent with bar jobs, as cashiers at Rewe or bicycle couriers for Lieferando. The coffee has become expensive. Between all the flavors of this city billows at the same time the scent of hope to be able to do and be anything, to turn ideas into gold and to be the rising star tomorrow, which has landed a hit with his idea. Countless founder stories, which are given in “Fuck up Nights” as a standup comedy while you pat yourself on your thighs with laughter and drink a Sterni. “This city isn’t as tough as you think.”

I discovered the crazy coffee offer for 1.80 euros at a small bakery not far from Wahrschauer Strasse and get a large cup. There are also coffee cups. As I sip my coffee and warm up, I worry about my own project. It’s the money again.

In countless intensive conversations with sustainable founders, I can reflect myself in their stories, because there are always the same difficulties that you have to deal with. So many good sustainable ideas, whose initiators suffer from the virus “lack of money” and do not really know with which medicine they can cure this deficit. It is not even the case that there is a lack of commitment, because the countless sustainable events and own small events show the will and discipline. Rather, it is this shit economic neoliberal constellation that makes it difficult for young imaginative StartUppers to prevail themselves and collect money.

The coffee is half drunk and I notice that the focus is often on just getting the money for the start-up. What about your own maintenance during this time? Because even if the start-up is sexy and the idea is sustainable: it takes 3 to 5 years until you as a founder can expect income that at least covers the monthly expenses. This opens up a gap between what will eventually be and what is right now. Mind the gap between platform and train!

I wonder how many give up because they can’t manage to build up a start-up for years and at the same time have to care about their own rent with caustic and exhausting jobs. The start-up fails because of the neoliberal behaviors of society and not because of the lack of skills or ideas of the founders. Many would like to take new and, above all, sustainable paths, but quickly encounter the problem of having to generate immediate income for their own maintenance in order to be able to dedicate themselves entirely to the project. Because that’s what it needs if it can grow. And there it was again, this grey Berlin.

I look at the crowd of people passing by and wonder if this problem can be overcome. Whether there is hope out there that will not die but will eventually rolling the gray flat. Maybe at some point there will be an idea that changes everything and makes everything new. An idea that will overturn old thinking logics and ensure the survival of great sustainable projects. Suddenly I feel this tingling in my stomach, this inner restlessness, this drive. I have to go home – think, capture this idea that will change everything. Such moments are the birth hours of crazy thoughts. Innovations are born from the grey. I have to grin because “I know if I want to or not – that I need you to breathe.”

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Thema von Anders Norén