The Green Tiny House

Money mindset

THE STORY ABOUT MY MONEY MINDSET. WARUM MICH MEIN MONEY MINDSET ARM MACHT.
(english below)

“Deine Art zu denken hat Dich zu dem gemacht, was Du heute bist. Die gleiche Art zu denken wird Dich aber nicht dorthin bringen, wo Du gerne wärst.” Bodo Schäfer

Es regnet, es ist grau und ich sitze an meinem Schreibtisch, um über das nachzudenken, was allen Projektstartern das Leben schwer macht. Ich muss darüber grübeln, wie ich den Rest meines Lebens mit dem finanzieren kann, was ich gerne tue, ohne dabei in eine prekäre Lage zu geraten. Es schüttet wie aus Eimern und die sechste Tasse Kaffee steht dampfend neben meinem Laptop während ich mich durch Geschäftsmodelle und Finanzierung quäle. Der Tag wird noch lang. Es ist 15 Uhr.

Während ich auf Amazon nach schlauen Büchern suche, ploppen immer wieder Lockangebote auf, die mir alles Mögliche versprechen und mich von der Arbeit ablenken. Ich stöbere hier, ich stöbere dort und grinse mich durch Bücher mit so wunderbar klingenden Titeln wie „Money Mindset“, „Wie werde ich reich?“ und „Generieren Sie Umsätze im sechsstelligen Bereich in sechs Monaten“. Auch wenn ich darüber schmunzeln muss, bleibt mir doch ein Satz hängen, der eine ganz entscheidende Frage aufwirft: die Frage nach meiner Einstellung zum Geld.

Als Gründerin von nachhaltigen Projekten kenne ich den von außen an mich heran getragenen und auch inzwischen internalisierten Anspruch, nachhaltige Projekte entweder ehrenamtlich oder maximal kostendeckend zu betreiben. Wenn ich über meine Projekte spreche, schwebt dabei das dunkle Schwert der Kapitalistin über meinem Haupt, das als drohendes Unheil genau dann herabsaust, wenn ich Wörter wie Kapital, Einnahmen und Geld ausspreche. Das Gegenüber rümpft die Nase und findet das doof, dass ich Geld verdienen will und stellt automatisch die Nachhaltigkeit meines Projektes in Frage. Das Label der finanziellen Enthaltsamkeit ist wie das Zölibat bei der katholischen Kirche: wenn Du hier mitmachen willst, musst Du enthaltsam sein.

Mit Nachhaltigkeit und sozialen Projekten wollen wir jene Welt verändern, die sich ausbeuterisch und zerstörerisch durch unsere Natur frisst und dabei Ressourcen vernichtet. Diese Welt ist unsere Welt und vom übertriebenen Egoismus und kapitalistischen Denken und Handeln so stark geprägt, dass wir dem etwas entgegensetzen wollen und auch müssen. Dabei lehnen wir jegliche Form von Einnahmen, Kapital oder Profit ab, da wir unsere gedankliche Verknüpfung mit dem Kapitalismus nicht unterbrechen und uns eine andere Form vorstellen können. So stellt diese unausgesprochene Forderung nach einer finanziellen Enthaltsamkeit oft eine strikte Voraussetzung für unsere Businesspläne und Geschäftsmodelle dar, wenn wir authentisch sozial und nachhaltig sein wollen und verlieren dabei aus den Augen, dass diese Forderung unser nachhaltiges Startup zu etwas Unrentablen macht. Wir brauchen einen langen finanziellem Atem. Dabei nützt uns unsere Energie und unser Enthusiasmus wenig, wenn uns wegen Geldmangel unterwegs die Puste ausgeht.

„Wenn wir in unseren Überzeugungen abgespeichert haben, dass Geld verdienen ‚schlecht‘ ist, dass wir dadurch anderen etwas wegnehmen, dann werden wir beim Geldverdienen immer ein schlechtes Gefühl haben. Leider finden wir in unserer Gesellschaft oft Sprichwörter und Glaubenssätze, die eine negative Einstellung zu Geld verdeutlichen: ‚Geld verdirbt den Charakter.‘; ‚Ich kann sowieso nicht mit Geld umgehen.‘; ‚Geld allein macht nicht glücklich.‘“

Dahinter steckt eine unglaublich clevere Strategie unserer Gesellschaft. Während die Verantwortung für das Soziale und für die Umwelt ausgelagert und an die Bevölkerung als ehrenamtlich delegiert wurde, sparen die Verantwortlichen Geld und entledigen sich ihrer Verantwortung, die sie nun der BürgerIn* aufgelastet haben. Wir sorgen uns um unsere Zukunft und verzichten dabei auf das, was uns zusteht: von unserer Arbeit leben können.
* (der besseren Lesbarkeit halber, nutze ich die weibliche Form, da es die männliche beinhaltet)

Auch wenn wir ein so wunderbares Projekt oder StartUp erschaffen haben, dass die Dinge verändern kann, sind wir als GründerInnen im Hier und Jetzt mit beiden Beinen in dieser Welt verankert. Wir können gar nicht anders als Miete für unsere viel zu teure Mietwohnung, unser Büro, unser Labor oder Workspace zu zahlen, Lebensmittel einzukaufen und eine Krankenversicherung abzuschließen. Und das unser Leben lang. Unser Leben dreht sich nun mal um das Geld und noch ist es notwendig an das Geldverdienen zu denken. Wenn wir wirklich etwas verändern wollen, können wir das nur dann tun, wenn wir finanziell nicht auf der Strecke bleiben und davon zerrieben werden, Geld anderweitig aufzubringen, damit das StartUp auch wirklich authentisch bleibt.

Als ich die Frage nach meiner Einstellung zum Geld über die Reflektion meiner nachhaltigen Projekte wie eine Folie lege, wird mir eins sofort klar: Mein Money Mindset macht mich arm! Wenn ich diese Einstellung beibehalte, werde ich nicht durchhalten, mich am Geld auftreiben, kaputtmachen und letztendlich auch mit meinen Projekten auf langer Sicht scheitern. Ich habe bisher immer mehr investiert als herausbekommen und konnte Projekte maximal auf kostendeckend betreiben. So sehr ich diese Arbeit auch liebe – sie zahlt nicht meine Miete. Und ich muss irgendwo wohnen.

Ich grüble weiter auf diesem neuen Gedanken des Money Mindsets herum und muss dabei an meine Ausbildung zur Permakultur Designerin denken. Ich habe diese Ausbildung begonnen, um mein neues Stück Land anders zu bewirtschaften, dort einen Permakulturgarten zur Selbstversorgung aufzubauen und in meinem Tiny House irgendwann nachhaltig zu leben. Ich möchte der Idee der Nachhaltigkeit weiter folgen und eine andere Art zu leben in mein Leben holen, denn ich glaube fest daran, dass jeder Einzelne nur durch eine Veränderung in seinem Lebenswandel die Zukunft verändern kann.

Schon während der ersten Kursstunden überraschten mich die Prinzipien der Permakultur, die etwas vollkommen anderes waren als ich erwartet hatte. Ich erwartete eine Art Anleitung zum Nachmachen, klare Regeln, denen ich nur folgen müsste und eine Art Baukasten, wie ich meinen Garten gestalten soll. Was ich jedoch bekam, war Inspiration – eine Anleitung zum Reflektieren und Nachdenken. Vor allem über das Prinzip 3 der Permakultur dachte ich viel nach: Erwirtschafte einen Ertrag.

Während ich in die Küche stampfe, um neuen Kaffee aufzusetzen, blinkt dieser Satz wie ein rotes Lämpchen über meinem Kopf: „Erwirtschafte einen Ertrag“. Was für eine tolle Leuchtreklame! Das Wasser blubbert im Kessel und dieser Satz gefällt mir immer mehr, denn er verwirft einen alten Glaubenssatz, mit dem ich mit meinen nachhaltigen Projekten oft scheiterte. Geboostet von der Energie dieses Satzes eile ich zum Arbeitsplatz.

Die Permakultur als Ideal für eine nachhaltige Landwirtschaft hat das „Ertrag erwirtschaften“ zu seinem Prinzip erhoben. Es reklamiert die Notwendigkeit, Ertrag zu erwirtschaften zu einer Bedingung für permanente, d.h. nachhaltige Systeme, denn „ohne sofortige und wirklich brauchbare Erträge wird alles, was wir gestalten und entwickeln, dazu neigen zu verkümmern, während Elemente, die eine sofortige Rendite generieren, wachsen und gedeihen.“ (Permakultur Design nach Bill Mollison und David Holmgren).

Die Übertragung des Prinzips auf die Ausgestaltung eines Geschäftsmodells für ein nachhaltiges Projekt und StartUp ist damit für mich ein vollkommen logischer und wichtiger Leitgedanke. Denn ein nachhaltiges StartUp ist ein eigenes System, das wir dahingehend als permanent aufbauen müssen, um es zukunftsfähig zu gestalten. Die Menschen in diesem System sind dabei Teil eines Ganzen, die Belohnungen benötigen, um dieses System mit aufrecht zu erhalten. Nur wenn das System Ertrag generiert hat, wird das System wiederholt. „Auf diese Weise verbreiten sich erfolgreiche Systeme, die durch ‚positive Feedback-Schleifen‘ den ursprünglichen Prozess verstärken. Wenn wir mit nachhaltigen Designlösungen Ernst machen wollen, dann müssen wir Belohnungen anvisieren, die Erfolg, Wachstum und Nachahmung dieser Lösungen fördern. Es muss sich lohnen und nicht nur als Selbstzweck dienen. Nur dann ist es ein gutes permanentes System.“

Als ich meine siebte Tasse Kaffee zu Ende getrunken habe, fällt meine Anspannung ab, obwohl mein Koffeinkonsum etwas anderes prophezeit. Die seltsame Ruhe, die dieses Prinzip ausstrahlt, macht es zu einer neuen Leitlinie meiner Projekte. Ich schließe mich dem Gedanken Mollisons an und sehe eine Veränderung und wirkliche Nachhaltigkeit nur in einer Kultivierung des Ertragerwirtschaftens. Nur wenn wir es schaffen, die ursprüngliche Bedeutung und Ausgestaltung des Wirtschaftens mitzuverändern, können wir der Ausbeutung etwas entgegen setzen. Denn wenn wir wollen, dass keiner mehr da ist, der ausbeutet, müssen wir uns dabei auch selbst ansehen und ebenso verändern.


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THE STORY ABOUT MY MONEY MINDSET
WHY MY MONEY MINDSET MAKES ME POOR.

“Your way of thinking has made you who you are today.
But the same way of thinking won’t get you where you’d like to be.”
Bodo Schäfer

It’s raining, it’s grey and I’m sitting at my desk thinking about what makes the life difficult for all project starters. I have to think about how I can finance the rest of my life with what I like to do without getting into a precarious situation. It’s raining waterfalls and the sixth cup of coffee stands steaming next to my laptop as I torment myself through business models and financing. The day will be long. It’s 3 p.m.

While I search for clever books on Amazon, lure offers pop up again and again that promise me everything possible and distract me from work. I’m browsing, I’m reading short teasers and grin through books with such wonderful-sounding titles as “Money Mindset”, “How do I get rich?” and “Generate six-figure sales in six months”. Even if I have to smile about it, one sentence sticks to me that raises a very crucial question: the question of my attitude to money.

As the founder of sustainable projects, I am familiar with the external and now internalized claim to operate sustainable projects either voluntarily or maximum as cost-covering as possible. When I talk about my projects, the dark sword of the capitalist hovers over my head, which rushes down as an impending calamity exactly when I pronounce words like capital, income and money. The other person turns up his nose and thinks it’s shit that I want to earn money and automatically questions the sustainability of my project. The label of financial abstinence is like celibacy in the Catholic Church: if you want to participate here, you have to be abstinent.

With sustainability and social projects we want to change the world that eats its way through our nature in an exploitative and destructive way, destroying resources in the process. This world is our world and so strongly influenced by exaggerated egoism and capitalist thinking and acting that we want to and must oppose it. In doing so, we reject any form of revenue, capital or profit, because we cannot break our menatl connection with capitalism and imagine another form. Thus, this unspoken demand for financial abstinence is often a strict prerequisite for our business plans and business models if we want to be authentically social and sustainable and lose sight of the fact that this demand makes our sustainable startup something unprofitable. We need a lot of financial breath. Our energy and enthusiasm are not useful to us, if we run out of breath on the road and a lack of money.

“If we have stored in our convictions that making money is ‘bad’, that we are taking something away from others, then we will always have a bad feeling when making money. Unfortunately, in our society we often find proverbs and beliefs that illustrate a negative attitude towards money: ‘Money corrupts character.’; ‘I can’t handle money anyway.’; ‘Money alone doesn’t make you happy.'”

This is an incredibly clever strategy of our society. While the responsibility for the social and for the environment was outsourced and delegated to the volunteers, those responsible save money and get rid of their responsibility, which they have now burdened on the citizen. We worry about our future and renounce what we are entitled to: being able to live from our work.

Even though we have created such a wonderful project or start-up that can change things, we as founders are anchored in the here and now with both feet in this world. We have to pay rent for our far too expensive rental apartment, office, lab or workspace, buy groceries and take out health insurance. And that for the whole of our lives. Our lives revolve around money and it is still necessary to think about making money. If we really want to change something, we can only do so if we don’t fall by raising money elsewhere so that the start-up remains truly authentic.

When I lay the question about my attitude to money over the reflection of my sustainable projects like a slide, one thing immediately became clear to me: My money mindset makes me poor! If I maintain this attitude, I will not persevere, break down by money and ultimately fail with my projects in the long run. So far, I have always invested more than I got out of it and have been able to operate projects to a maximum of cost-covering. As much as I love this work, it doesn’t pay my rent. And I have to live somewhere.

I continued to pondering this new idea of the money mindset and had to think about my education as a permaculture designer. I started this education to manage my new piece of land differently, to build a permaculture garden there for self-sufficiency and to live sustainably in my tiny house at some point. I want to continue to follow the idea of sustainability and bring a different way of life into my life, because I firmly believe that each individual can only change the future by changing his or her lifestyle.

Already during the first lessons I was surprised by the principles of permaculture, which were something completely different than I had expected. I expected a kind of instruction to imitate, clear rules that I just had to follow and a kind of construction kit on how to design my garden. What I got, however, was inspiration – a guide to reflect and think. Above all, I thought a lot about Principle 3 of permaculture: Generate a yield.

As I stomp into the kitchen to put on new coffee, this phrase flashes like a red light over my head: “Generate a yield.” What a great neon sign! The water bubbles in the cauldron and I like this sentence more and more, because it rejects an old belief with which I often failed with my sustainable projects. Surrounded by the energy of this sentence, I hurry back to work.

Permaculture as an ideal for sustainable agriculture has elevated “generating yield” to its principle. It claims the need to generate revenue as a condition for permanent, i.e. sustainable systems, because “without immediate and really usable returns, everything we design and develop tends to atrophy, while elements that generate an immediate return grow and thrive.” (Permaculture design after Bill Mollison and David Holmgren).

The transfer of the principle to the design of a business model for a sustainable project and start-up is therefore a completely logical and important guiding principle for me. Because a sustainable start-up is its own system, which we have to build up permanently in order to make it fit for the future. The human in this system are part of a whole who need rewards to maintain this system. Only if the system has generated yield is the system repeated. “In this way, successful systems spread that reinforce the original process through ‘positive feedback loops’. If we want to get serious about sustainable design solutions, we need to target rewards that promote success, growth and imitation of these solutions. It must be worthwhile and not just serve as an end in itself. Only then is it a good permanent system.“

When I finish drinking my seventh cup of coffee, my tension drops, even though my coffeine consumption prophesies otherwise. The strange calmness that this principle radiates, makes it to a new guideline of my projects. I agree with Mollison’s idea and see a change and real sustainability only in a cultivation of profitability. Only if we manage to change the original meaning and design of economic activity can we counter exploitation. Because if we want no one left to exploit, we have to look at ourselves and change it as well.